Analog zur Bestimmung der Dämmwerte von Gebäuden kann der Dämmwert von Bekleidung nach ISO 9920 ermittelt werden.
Zur Reduzierung des Heizenergieverbrauchs sollte zunächst der Wärmestrom vom Körper (37 Grad) in den Raum (21 Grad) reduziert werden und erst in einem zweiten Schritt der Wärmestrom vom Raum (21 Grad) in die Umgebung (0 Grad). 1 Grad geringere Raumtemperatur spart in Wohn- und Bürogebäuden ca. 6 % Heizenergie.
Je höher der Isolationswert der Bekleidung, umso niedriger die erforderliche Raumtemperatur – bei gleicher Behaglichkeit.
Zur Vermeidung von Fehlinvestitionen und für eine professionelle und massentaugliche Umsetzung ist die Verwendung von normierten Kennzahlen/ Dämmwerten für die Bekleidung unerlässlich. „XXX-warm, „Ultra-warm“, „Mega-warm“ oder „Flammzeichen“ helfen nur in den seltensten Fällen.
Grundsätzlich existieren 2 Verfahren, um die Isolationswerte der Bekleidung zu ermitteln:
1. Isolation abschätzen:
Identische Bekleidungskombination finden (Anhang A) oder Kombination aus
Einzelkleidungsstücken zusammensetzen (Anhang B)
2. Isolation messen:
Direkt am Menschen (Anhang E) oder an einer Simulationspuppe (Anhang D). Genauste Methode.
Der Isolationswert der Bekleidung wird in „clo“ oder „Icl“ angegeben:
1 clo = 0,155 m2 x K / W
Zum Vergleich:
Der Wärmeduchgangswiderstand bei Gebäudedämmung wird ebenfalls in der Einheit m2 x K / W angegeben.
Wie sollte es auch anders sein? Es sind die gleichen thermischen Grundgesetze. 😉
Beispiele für Bekleidungskombinationen entsprechend Anhang A:

Beispiele für Einzelbekleidungsstücke entsprechend Anhang B:
Aus der Summe der einzelnen Isolationswerte kann dann der der Gesamtwert für den ganzen Körper ermittelt werden.

Die ISO 9920 umfasst insgesamt über 105 Seiten. Da es sich um eine Internationale Norm hat, finden sich dort auch Dämmwerte für Bekleidung aus den unterschiedlichsten Ländern weltweit, z.B. Kleidungsstücke aus Korea oder der Golfregion. Allein für die Unterwäsche/Unterhosen sind dort 8 verschiedene Varianten aufgeführt. Entscheidend ist auch der Stofftyp/die Webart und die Faserzusammensetzung.
Nachfolgend eine Übersicht zu den Anhängen:
- Anhang A: Wärmeisolationswerte für Bekleidungskombinationen
- Anhang B: Wärmeisolationswerte für Einzelbekleidungsstücke in Abhängigkeit vom Stofftyp, der Webart und Faserzusammensetzung
- Anhang C: Werte des Wasserdampfpermeabilitätsindexes für Bekleidungskombinationen
- Anhang D: Messung der Wärmeisolation einer Bekleidungskombination an einer Wärmesimulationspuppe
- Anhang E: Messung der Wärmeisolation einer Bekleidungskombination am Menschen
- Anhang F: Unterschiedliche Definitionen der Wärmeisolation der Bekleidung
- Anhang G: Abschätzung des Wärmetauschs bei reflektierender Kleidung
- Anhang H: Anleitung zur Ermittlung der bedeckten Körperfläche

Aufgabe an alle Textilforschungsinstitute, Textilhersteller und Interessierte:
Entwickle leichte, dehnbare, waschbare, nachhaltige Hightech Textilfasern und Kleidungsstücke mit einem hohen Isolationswert. Idealerweise reflektiert das Kleidungsstück zusätzlich noch die Infrarotstrahlung des menschlichen Körpers.
Und bitte gebt zur Vermeidung von Fehlinvestitionen auf dem Etikett des Kleidungsstücks auch die entsprechenden Kennzahlen an. Leider steht hier heute oftmals nur „XXX-warm“ oder „Ultra-warm“.
Ich habe gehört, die Aerogelfaser erfüllt heute schon genau diese Anforderungen…. Aber dazu mehr im Kapitel „Praxisbeispiele“. 😉
