Praxisbeispiele – Privat – Eigene Erfahrung

17.09.2026

Die nächste Heizperiode 2026/27 steht kurz bevor.

Sehr gerne möchten wir die Gelegenheit nutzen um in einem Selbsttest nachfolgende Fragen zu beantworten:

Fragen an den Raum:

  • Welche Raumtemperaturen [°C] ergeben sich, wenn in der kompletten Heizperiode die Heizung ausgeschaltet ist ?
  • Wie hoch ist die Raumluftfeuchtigkeit [%] ?
  • Wie sind die Messwerte für die Mauerwerks- Wandfeuchtigkeit [%] ?

Fragen an die Testperson:

  • Wie ist die Vorhersage für die Behaglichkeit nach ISO 7730 ?
  • Wie fühlt sich die Behaglichkeit für mich an ? Wie ist es mit den Händen?
  • Welche Körpertemperaturen ergeben sich an allen Stellen des Körpers nach ISO 9886 ?
  • Welchen Isolationswert [clo] nach ISO 9920 muss meine Bekleidung haben, damit ich mich bei 16°C und 12°C behaglich fühle ?

Der Ablauf:

Ab Oktober möchten wir o.g. Fragen anhand von regelmäßigen Messungen und Befragungen beantworten.

Die Ergebnisse werden in Abständen von 2 Wochen unter Nr. 8 dokumentiert.

  1. Ausgangssituation
  2. Energieverbrauch
  3. Bekleidung
  4. Hände und Kopf
  5. Die Strategie
  6. 3-fach Nachweis der Behaglichkeit
  7. Messgeräte
  8. Monatliche Auswertungen

Zu 1. Ausgangssituation:

Wir bewohnen zu zweit ein freistehendes Einfamilienhaus in Kassel (Baujahr 1964, 30 cm Hochlochziegel mit 10 cm Dämmung). Die Wohnfläche im EG und OG beträgt insgesamt 130 qm.

Im Obergeschoss ist die Heizung seit 15 Jahren aus. Im EG wird nur das Bad und Wohnzimmer mit einer Wärmepumpe, PV und Windenergie auf 19°C beheizt.

Im SMA-Sunny Blog oder auf den Sonnenseiten von Dr. Franz Alt ist unter dem Motto „Nie wieder Energiekosten“ unsere private Energiewende dokumentiert.

Neu ist der bidirektionale Renault R4 E-Tech, den wir 2027 ans Haus anschließen möchten (Vehicle to home).

Warum sollen wir eine Batterie in den Keller stellen, wenn wir doch schon eine in der Garage stehen haben?

Zu 2. Energieverbrauch:

Der Selbstversuch findet im Obergeschoss statt. Dort ist seit 15 Jahren die Heizung aus.

Energieverbrauch Wärmen: 0,0 kWh/ Tag

Gasheizung: 70 kWh/ Tag

Zu 3. Bekleidung:

a) Lieblingskleidung

b) Zwiebelschalenprinzip und Bekleidungsoptionen

c) Isolationswert [clo] nach ISO 9920

d) Temperatur Cointrol System von ODLO

e) Oberkörperbekleidung Eigenversuch 2026/27

f) Bekleidung für die Beine Eigenversuch 2026/27

g) Socken Eigenversuch 2026/27

Zu a) Lieblingskleidung:

An dieser Stelle sei eine Prognose für die nahe Zukunft gestattet:

Ausgangspunkt für das Konzept Wärmen sind der Lieblingspullover, die Lieblingshose und die Lieblingssocken.

Die Kleidung unterscheidet sich nur durch die Textilfaser und damit den Isolationswert [clo] nach ISO 9920.

Alle 3 Varianten führen zur gleichen Behaglichkeit nach ISO 7730.

Auch an dieser Stelle gilt das Prinzip der Vielfalt:

  • 22 Grad Raumtemperatur: Wer mag trägt im Winter ein einfachen Baumwollpullover und zahlt dafür die vollen Heizkosten inkl. CO2-Steuer.
  • 16 Grad: Alternativ wird die Raumtemperatur durch das Tragen von Thermokleidung um 6°C reduziert bei gleicher Behaglichkeit. Energieeinsparung ca. 36%.
  • Heizung aus: Wer das Kapitel „Grundlagen“ durchgelesen hat und sich an das Foto auf der Startseite mit der jungen Frau im Winter bei Schnee und 0 Grad Lufttemperatur mit Sommerkleidung erinnert kann die Heizung im Idealfall ausschalten.

In Büro- und Wohngebäuden beträgt die Einsparung ca. 6 % pro 1 Grad Temperaturabsenkung.

Zu b) Zwiebelschalenprinzip und Bekleidungsoptionen:

Zwiebelschalenprinzip:

Für schwankende Raumtemperaturen und unterschiedliche Aktivitätslevel (Laufen, Sitzen,…) hat sich das Zwiebelschalenprinzip bewährt:

Schicht 1: T-Shirt, kann täglich gewechselt werden (Base Layer)

Schicht 2: Thermopullover (Mid Layer)

Schicht 3: Thermostrickjacke oder -weste nach Bedarf (Outer Layer)

Bei Bewegung reichen i.d.R. die Schichten 1 und 2, da die Muskeln über Reibung Körperwärme erzeugen.

Im Sitzen kann die Schicht 3 einfach ergänzt werden.

Bekleidungsoptionen:

Je nach individueller Vorliebe existieren eine Vielzahl unterschiedlicher Optionen, so dass für jeden etwas dabei sein sollte:

  • Aktive und passive Base Layer
  • Aktive und passive Mid Layer
  • Aktive und passive Outer Layer

Gleichmäßige Wärme:

Damit es nicht zu lokalen Unbehaglichkeiten kommt, ist es wichtig den ganzen Körper gleichmäßig zu wärmen. Sommerkleidung für Füße/ Beine und Thermokleidung nur für den Oberkörper funktionieren leider nicht.

Zu c) Isolationswerte [clo] nach ISO 9920:

Allgemeine clo-Werte für Bekleidungskombinationen und Einzelkleidungsstücke finden sich in Anhang A und B der ISO 9920 (s.a. hier)

Isolationswerte [clo] nach ISO 9920 werden für konkrete Kleidungsstücke i.d.R. leider nur für Outdoor-, Winter- oder Arbeitskleidung (sh. EN 14058 – Kleidungsstücke zum Schutz gegen kühle Umgebungen oder EN 511 – Schutzhandschuhe gegen Kälte) angegeben.

Um Fehlinvestitionen zu vermeiden wäre es für das Konzept Wärmen wünschenswert, wenn die Textilhersteller in Abstimmung mit den Normenausschüssen und der Politik die clo-Werte auch für den Innbereich ergänzen würden.

Zu d) Temperatur Control System von ODLO:

Ergänzend zu den clo-Werten kann beispielsweise das Temperatur Control System (TCS) von ODLO verwendet werden, welches in erster Linie für den Outdoor Bereich entwickelt wurde.

Die Winterbekleidung und die Funktionsunterwäsche wird je nach Aktivitätslevel und Temperaturbereich in 4 Wärmestufen eigeteilt:

  • X-Light (Komfortbereich +15 bis +25 °C)
  • Light (+5 bis +20 °C)
  • Warm (−10 bis +5 °C)
  • X-Warm (−20 bis −5 °C)

Zu e) Eigenversuch 2026/27 – Oberkörperbekleidung:

In der Heizperiode 2026/27 wird für den Selbsttest ausschließlich nachfolgende Kleidung getragen. Die Kleidungsstücke werden zur späteren Dokumentation der Testergebnisse durchnummeriert. Die clo-Werte der einzelnen Kleidungstücke werden anhand der ISO 9920, Anhang B ermittelt.

Wer Geld sparen möchte kombiniert lange Thermounterwäsche plus -socken mit der üblichen Herbst- oder Winterkleidung für den Innenbereich, bei Bedarf ergänzt um eine Fleece Jacke.

Sollte sich an einer Stelle (z.B. Füße oder Hände) eine lokale Unbehaglichkeit ergeben, bitte prüfen welche Lösungen es hierfür geben könnte.

Leider sind wir noch auf der Suche nach passender Aerogelkleidung. Sobald wir etwas Schickes und Bezahlbares gefunden haben, wird es sofort hier ergänzt.

Die nachfolgenden Kleidungsstücke können je nach Bedarf und Raumtemperatur bzw. Aktivitätslevel frei kombiniert werden.

Base Layer:

Nr. 1: ODLO Merino 260 Base Layer Half-Zip

Nr. 2: ODLO I-Thermic X-Warm Base Layer Shirt

Mid- bzw. Outer Layer (wahlweise 2 oder 3 Schichten):

Nr. 3: WALLBUSCH extradickes Flanell Hemd

Nr. 4: WALLBUSCH Rollkragenpullover aus Lammwolle

Nr. 5: VAUDE Fleecejacke Me Rosemoor II

Nr. 6: VAUDE Fleecejacke Rienza III

Nr. 7: AFUNSO Aktiv wärmende Weste mit aktiv wärmenden Kragen

Zu f) Eigenversuch 2026/27Bekleidung für die Beine:

Nr. 8: ODLO Merino 260 Base Layer Tights

Nr. 9: ADIDAS Hose Essentials Stanford Basic

Nr. 10: TOMMY HILFIGER Ryan Slim Straight Jeans

Nr. 11: WALLBUSCH Thermoleicht Five-Pocket

Zu g) Eigenversuch 2026/27 – Socken und Hausschuhe:

Nr. 12: ELEWERT Filzpantoffel

Nr. 13: FALKE TK1 Adventure Wool

Nr. 14: FALKE TK4

Nr. 15: HEAT KEEPER Socken TOG Rating 2.3

Nr. 16: HEAT KEEPER Kniestrümpfe TOG Rating 2,3

Zu 4. Hände und Kopf:

Für den Kopf sind für den Innenbereich nach eigener Erfahrung auch bei 12°C tagsüber keine Maßnahmen erforderlich. Wichtig ist ein Thermo-Rollkragenpullover am besten mit Reißverschluss, da der Hals sehr kälteempfindlich ist.

Die Hände sind aus eigener 15 jähriger Erfahrung der schwierigste Teil. Aus diesem Grund gibt es hierfür ein eigenes Kapitel (s.a. hier).

Nr. 17: Bewegung

Nr. 18: Warme Speisen und Getränke

Nr. 19: Abbau von Stress

Nr. 20: Geringfügige Erhöhung der Körperkerntemperatur

Nr. 21: Thermopullover

Nr. 22: Aktive und passive Pulswärmer / Stulpen

Nr. 23: Aktive und passive fingerlose Handschuhe

Nr. 24: Wärmecreme

Nr. 25: Handwärmer

Nr. 26: Wolldecke

Zu 5. Die Strategie:

Die Raumtemperatur sollte am Anfang wöchentlich nur um 1°C abgesenkt werden, also z.B.

Woche 1:    22°C Raumtemperatur

Woche 2:    21°C

Woche 3:    20°C

Woche 4:    19°C

Woche 5:    18°C

Woche 6:    17°C

Woche 7:    16°C

Setzt man einen Frosch ins kalte Wasser, wird er sofort rauspringen. Nimmt man warmes Wasser und kühlt es langsam ab, wird er bleiben.

Eine weitere Strategie besteht darin in der ersten Heizperiode auch bei 16 Grad Raumtemperatur aktive Thermokleidung für den Oberkörper zu tragen, obwohl hier gute passive Thermokleidung völlig ausreichend ist.

Wichtig ist es auch sich im ersten Winter nicht zu überfordern. Auch wenn am Ende die Raumtemperatur „nur“ von 22°C auf 19°C abgesenkt wurde, ergibt sich dennoch eine Heizenergieeinsparung von ca. 18 %.

Zu 6. 3-fach Nachweis der Behaglichkeit:

Die Behaglichkeit soll 3-fach nachgewiesen werden:

a) ISO 7730 – Behaglichkeit:

Eingabeparameter für das BNP-Tool Thermischer Komfort vom Fraunhofer Institut für Bauphysik:

b) ISO 9886 – Messung der mittleren Körpertemperatur:

Bei einer Berührungsmessung sind gemäß ISO 9886, Anhang B, Tabelle B.1 zur Bestimmung der mittleren Hauttemperatur 14 Messpunkte und eine entsprechende Anordnung der Messpunkte zu beachten.

Nach Köhling, Speckmann, Hescheler variieren die Körpertemperaturen in Abhängigkeit von der Lufttemperatur. Während die Temperatur im Inneren von Rumpf und Kopf (Kerntemperatur) weitestgehend konstant bei 37 Grad gehalten wird, kann sie im Bereich der Extremitäten, der Haut und der darunter liegenden Schichten (Schalentemperatur) stärker variieren, z.B. Hände 28°C.

c) Fragebogen:

Neben dem persönlichen Wärmeempfinden nach ISO 7730 (zu kalt … neutral … zu warm) für verschiedene Körperteile können bei Bedarf Informationen zur aktiv wärmenden Kleidung abgefragt werden.

Zu 7. Messgeräte:

A) Unbekleidete Körperteile

Blaupunkt Ring V2:

Die Messwerte des linken Zeigefingers werden zur grafischen Auswertung in 30 Minuten Intervallen über Bluetooth an eine APP gesendet.

TOPDON TC002:

Mit einer Infrarot- Kamera für das Smartphone kann die Temperatur der ganzen Hand dargestellt werden.

Berrcom Fieberthermometer kontaktlos Infrarot:

Das Thermometer wird zum Vergleich der oben gemessen Temperaturen verwendet. Es hat eine Messgenauigkeit von +-0,1°C.

B) Bekleidete Körperteile

Steadytemp:

Das Sensorpflaster misst die Körpertemperatur minutenweise. Die Messwerte werden über NFC an eine APP übertragen

Save Fieberthermometer:

Das Thermometer überträgt die Temperaturdaten kontinuierlich via Bluetooth an die Smartphone-App. 

C) Messgeräte für den Raum:

Elitech RC-5:

Der USB-Temperaturdatenlogger wird zur Aufzeichnung der Raum- und Außentemperatur verwendet. Die Messwerte können grafisch angezeigt werden

DEECOZY Wetterstation:

Messung der Raum- und Außenluftfeuchtigkeit sowie der Raum- und Außentemperatur.

Brennstuhl Feuchtigkeits-Detector MD:

Im Winter ist die Luft i.d.R. eher trocken. Mit dem Feuchtigkeitsdetektor soll der Feuchtegehalt der Wände gemessen werden. Das Mauerwerk gilt als trocken, wenn die Messwerte im Bereich von 1,5 bis 16,9 % liegen.

Zu 8. Monatliche Auswertungen:

Oktober 2026:

November 2026:

Dezember 2026: