Praxisbeispiele – Spezielle Lösungen – Hände

Aus eigener 15-jähriger Erfahrung kann ich sagen, dass die Hände der schwierigste und damit der interessanteste Teil des Konzepts sind.

Für viele Personen sind kalte Hände ein K.o.-Kriterium. Aus diesem Grund werden die nachfolgenden Ausführungen etwas ausführlicher.

Ein Grundprinzip der Evolution ist Vielfalt. Auch für warme Hände wird es eine Vielzahl an Lösungen geben, die so unterschiedlich sind, wie der Mensch selbst. Alle Lösungen haben Eines gemeinsam:

Ausgangspunkt ist die Hand, nicht der Raum. Eine neue Perspektive ermöglicht neue kreative Lösungen.

Erforderliche Handtemperatur:

Wie im Kapitel „Grundlagen – Menschlicher Körper“ erläutert, wird zwischen der „Körperkerntemperatur“ und der „Schalentemperatur“ unterschieden.

Während die Körperkerntemperatur 37°C beträgt, reicht eine Handtemperatur von 28°C, um sich bei 20°C Raumtemperatur behaglich zu fühlen.

Messung der Handtemperatur:

Ziel ist es durch ganzjährige Messungen der Handtemperatur die lokale Behaglichkeit der Hände nachzuweisen.

Im Idealfall ergibt sich bei unterschiedlichen Raumtemperaturen (21°C, 16°C und 12°C) eine konstante Handtemperatur von mindestens 28°C.

Messprotokolle folgen.

Messgeräte:

Blaupunkt Ring V2:

Die Messwerte des linken Zeigefingers werden zur grafischen Auswertung in 30 Minuten Intervallen über Bluetooth an eine APP gesendet.

TOPDON TC002:

Mit einer Infrarot- Kamera für das Smartphone kann die Temperatur der ganzen Hand dargestellt werden.

Berrcom Fieberthermometer kontaktlos Infrarot:

Das Thermometer wird zum Vergleich der oben gemessen Temperaturen verwendet. Es hat eine Messgenauigkeit von +-0,1°C.

Thermisches Gleichgewicht der Hände:

Wie im Kapitel „Grundlagen – Energieumsatz menschlicher Körper nach ISO 8996“ erläutert, beträgt der körpereigene Energieumsatz für einen Durchschnittsmenschen ca. 2,4 kWh pro Tag.

Die Fläche beider Hände beträgt ca. 2 % der Gesamt-Körperfläche (1,7 m²).

  • Energieumsatz Hände: 0,02 x 2,4 kWh = 0,048 kWh/Tag
  • Heizen: 70 kWh/Tag

Der Energieaufwand, um die Wassermoleküle in der Hand zum Schwingen zu bringen, damit über Reibung Körperwärme entsteht, ist mit 0,048 kWh/Tag sehr gering.

Es ist die kritische Frage zu stellen, ob es in Zeiten des beschleunigten Klimawandels wirklich die beste Option ist, nur wegen kalter Hände komplette Hallen oder Räume zu beheizen? Gibt es Alternativen, die mindestens gleichwertig sind?

Nachfolgende Lösungsansätze möchten wir gerne zur Diskussion stellen:

  1. Bewegung
  2. Warme Speisen und Getränke
  3. Abbau von Stress
  4. Geringfügige Erhöhung der Körperkerntemperatur
  5. Thermopullover
  6. Aktive und passive Pulswärmer / Stulpen
  7. Aktive und passive fingerlose Handschuhe
  8. Wärmecreme
  9. Handwärmer
  10. Wolldecke

Zu 1. Bewegung:

Diese Übungen transportieren das warme Blut aus der Körpermitte direkt in die Fingerspitzen:

Windmühle: Beide Arme mit gestreckten Fingern schwungvoll vorwärts und rückwärts kreisen. Die Fliehkraft treibt das Blut sofort in die Hände.

Schulterschütteln: Arme locker hängen lassen und schütteln die Schultern und Hände kräftig ausschütteln. Das löst Blockaden im Nacken, die oft die Durchblutung stören.

Skifahrer-Schwung: Leicht in die Knie gehen und beide Arme gleichzeitig von weit hinten nach ganz oben über den Kopf schwingen .

Zu 2. Warme Speisen und Getränke:

Warme Speisen:

Wurzelgemüse wie Rettich, Rüben, Kartoffeln oder Konnyaku sowie Eintopfgerichte wie Nabe gelten in Japan als wärmende und zugleich gesunde Speisen (s.a. hier).

Weitere Tipps finden sich z.B. auf der Internetseite von ARD/NDR: „Ayurveda und TCM: Essen, das von innen wärmt“

Die ayurvedische Ernährung wie auch die traditionelle chinesische Medizin (TCM) schreiben Lebensmitteln thermische Wirkung zu.

Lebensmittel stuft die TCM in fünf Kategorien ein:

heiß: rotes Fleisch (Lamm, Rind); Paprika; Chili, Knoblauch und schwarzer Pfeffer

warm: Fisch, Meeresfrüchte; Langkornreis, Hirse; Eigelb; Nüsse; Fenchel, Lauch, Zwiebel, Pfirsich, Kirschen, Himbeeren, Mandarine; Koriander, Zimt, Ingwer, Sternanis, Nelken (die „Weihnachtsgewürze“)

neutral: Roggen, Hafer (roh), Rundkornreis, Mais, Dinkel; Erbsen, Karotten, Weißkohl, Blumenkohl; Milch und Käse; Safran

kühlend: Tofu, Joghurt; Weizen; die meisten Pilze, Aubergine, Spinat und Rotkohl

kalt: Gurken, Tomaten, Chinakohl und grüner Salat; Salz, Sojasoße; Eiscreme

Warme Getränke:

Während jede heiße Tasse Tee durch die reine Wassertemperatur kurzfristig Hitze spendet, besitzen bestimmte Kräuter, Gewürze und Teesorten Inhaltsstoffe, die die Durchblutung anregen und die Thermogenese (Wärmeproduktion) des Körpers ankurbeln.

Ingwertee: Frischer Ingwer enthält den Scharfstoff Gingerol. Beim Erhitzen wandelt sich dieser teilweise in Shogaol um. Beide Stoffe regen die Durchblutung an und erzeugen ein sofortiges, spürbares Hitzegefühl im Magen.

Gewürztees (Chai): In der Naturheilkunde und dem Ayurveda werden Gewürze gezielt nach ihrer thermischen Wirkung eingesetzt. Ein klassischer Chai-Tee vereint fast alle stark wärmenden Komponenten:

Zimt & Nelken: Erzeugen eine süße, wohlige Wärme und fördern die Durchblutung.

Kardamom & schwarzer Pfeffer: Wirken stark anregend auf den Stoffwechsel.

Zu 3. Abbau von Stress

Stress führt – unabhängig von der Raumtemperatur – zu einer Verengung der Blutgefäße und damit automatisch zu kalten Händen.

Beispielhafte Methoden zum Stressabbau:

1. Mentale & meditative Entspannungsmethoden

Diese Techniken zielen darauf ab, das zentrale Nervensystem direkt zu beruhigen und dem Gehirn Entspannung zu signalisieren.

Achtsamkeitsmeditation: Das bewusste Beobachten des Moments ohne Bewertung hilft, das Gedankenkarussell im Gehirn herunterzufahren.

Gezielte Atemübungen: Die Konzentration auf die Atmung (z. B. längeres Ausatmen als Einatmen) senkt nachweislich den Blutdruck und unterbricht stressige Gedanken sofort.

2. Körperlich-aktive Methoden

Da bei Stress Hormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet werden, muss der Körper diese biologisch abbauen.

Progressive Muskelrelaxation: Bewusstes Anspannen und Lösen bestimmter Muskelgruppen setzt körperliche Blockaden frei.

Sport und Bewegung: Regelmäßiges Laufen und Radfahren schüttet Endorphine aus.

3. Instrumentelles Stressmanagement (Alltagsorganisation)

Häufig entsteht Stress durch äußere Faktoren, die sich durch Strukturierung minimieren lassen.

Zeitmanagement & Prioritäten: Prioritäten setzen und Pausen einplanen.

Gesunder Lebensstil: Auf einen ausreichenden Schlaf und eine nährstoffreiche Ernährung (Nüsse, Beeren, Haferflocken) achten.

Zu 4. Geringfügige Erhöhung der Körperkerntemperatur:

Ausgangspunkt für das Konzept „Wärmen“ ist auch an dieser Stelle ein Grundverständnis zu den Funktionsweisen des menschlichen Körpers (s.a. hier).

Nchfolgende Informationen stammen aus der wissenschaftlichen Studie: „Hand and finger temperature responses to whole body, torso, and head heating“ von T.P. Romet (Defence and Civil Institute of Environmental Medicine, Toronto)

Kernfrage: Kann man die Hände bei extremer oder moderater Kälte wie 12°C ohne Handschuhe warm halten, indem man den Rumpf überhitzt?

Antwort: T.P. Romet wies nach, dass das Erwärmen des Oberkörpers (Rumpf) am effektivsten ist, um eiskalte Hände in kalten Umgebungen wieder aufzuwärmen. Sobald der Rumpf signalisiert, dass der Körperkern im Wärmeüberschuss ist, öffnet der Hypothalamus die Gefäße in den Händen (Vasodilation).

Wenn der Oberkörper (z. B. durch eine Daunenweste oder aktive Heizpads) „überisoliert“ ist, nutzt der Körper die Hände als Ventile, um die überschüssige Wärme abzugeben, was die Hände auch ohne Handschuhe warm und beweglich hält.

T.P. Romets Forschung beweist, dass die Bekleidung des Torsos bei 12 °C fast wichtiger für die warmen Hände ist als die Bekleidung der Hände selbst. 

Leistungsfähigkeit der Feinmotorik

In Dissertationen, die auf Romets Daten aufbauen, werden oft folgende Schwellenwerte für die Handtemperatur genannt:

Zu 5. Thermopullover:

Wie unter 4. beschrieben hängt die Temperatur der Hände sehr stark von einer konstanten, bzw. leicht überhöhten Körperkerntemperatur (37°C) ab.

Die Oberkörperbekleidung ist daher von besonderer Wichtigkeit.

Wie immer existieren auch an dieser Stelle ein Vielzahl an Optionen, so dass für jeden etwas dabei sein sollte:

Thermounterwäsche (Baselayer): aktiv wärmend oder passiv

Thermopullover (Mid Layer): aktiv wärmend oder passiv

Thermo-/Strickjacken: aktiv wärmend oder passiv

Thermowesten: aktiv wärmend oder passiv

Unbedingt empfehlenswert ist ein Rollkragen mit Reißverschluss, da der Hals sehr kälteempfindlich ist.

Ein sehr besonderes Erlebnis ist eine aktiv wärmende Thermoweste mit einem aktiv wärmenden Kragen. Lächeln garantiert. 😉

Zu 6. Aktive und passive Pulswärmer / Stulpen:

Auch an dieser Stelle wird es sehr deutlich, dass das Konzept Wärmen nur dann erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn man sich erstmalig in seinem Leben mit dem eigenen Körper, an dieser Stelle mit der Hand bzw. der Innenseite des Hanggelenks beschäftigt.

Direkt unter der dünnen Haut verlaufen die Arterien, die das warme Blut vom Herzen zu den Fingerspitzen transportieren sollen.

Ohne eine gute Dämmung der Arterien durch einen Thermopullover, oder aktive bzw. passive Pulswärmer / Stulpen kommt bei den Fingerspitzen leider keine Wärme an.

Zu 7. Aktive und passive fingerlose Handschuhe:

Gleiches gilt für den Handrücken. Auch hier geht die Wärme der Arterien ohne einen entsprechenden Schutz verloren, mit der Folge kalter Hände und kalter Fingerspitzen.

Im Mittelalter hatten die Pullover etwas längere Ärmel, damit waren das Handgelenk und der Handrücken geschützt. Siehe auch ZDF Mediathek, Terra X, Vergessenes Wissen: „Fortschritt, Wachstum, Wohlstand: Die Formel hat den Menschen zwar weit gebracht, aber auch an den Rand des Abgrunds geführt. Terra X blickt in die Vergangenheit und zeigt Lösungen für die Zukunft.“

Die nachfolgenden Pulswärmer sind aus Wolle. Sehr effektiv ist auch Filz mit einem Luftpolster, da Luft ein hervorragender Isolator ist.

Mit nachfolgenden aktiv wärmenden, fingerlosen Handschuhen lässt sich jede beliebige Handtemperatur unabhängig von der Raumtemperatur erzeugen. Die Hände sind bei 12 Grad Raumtemperatur mit Sicherheit deutlich wärmer als in einem beheizten Raum mit 23°C.

Zu 8. Wärmecreme:

Wärmecremes für die Hände sind spezielle Hautpflegeprodukte, die durch durchblutungsfördernde Inhaltsstoffe ein intensives Wärmegefühl auf der Haut erzeugen oder die wie ein unsichtbarer Handschuh wirken.

1. Typ: Der „Unsichtbare Handschuh“

Diese Cremes erzeugen keine Wärme, sondern dienen als unsichtbares Schutzschild. Sie enthalten reichhaltige Fette, Wachse oder leichte Silikone, die eine atmungsaktive Schutzschicht bilden. Sie verhindern, dass die kalte Luft der Haut die Feuchtigkeit entzieht und sie rissig wird.

2. Typ: „Durchblutungsfördernd“ (Der Thermo-Effekt)

Diese Cremes wärmen von innen. Inhaltsstoffe wie Rosmarinöl, Kampfer, Ingwer oder Ginkgo biloba regen die Mikrozirkulation an. Die Blutgefäße erweitern sich und warmes Blut strömt in die Fingerspitzen.

Zu 9. Handwärmer:

Am Markt erhältlich sind eine Vielzahl unterschiedlicher elektrischer, wiederaufladbarer Handwärmer.

Alternativ werden auch Wärmepads angeboten, die auf die Hand aufgeklebt werden können.

Zu 9. Wolldecke:

In Japan werden Häuser ohne Dämmung und ohne Heizung gebaut. Weit verbreitet ist der Kotatsu (s.a. hier), der oftmals in Verbindung mit einer Wolldecke genutzt wird, die auch die Hände wärmen kann.